Hobby mit Hörnern

Die schottischen Hochlandrinder von Richard Löttert

Es ist Anfang Februar und bitterkalt, gerade mal 2 Grad über Null. Wir stehen am Zaun einer Wiese im Naturschutzgebiet in Velen. Am anderen Ende der Wiese am Waldrand grast eine Herde schottischer Hochlandrinder. Zwei der Zottls, wie die Hochlandrinder in Österreich genannt werden, bewegen sich langsam, ohne große Eile in unsere Richtung. Der Wagen von Richard Löttert kommt angefahren und sofort kommt Bewegung in die Rinderherde. Einen Moment später sind alle bei uns am Zaun. Richard hat ihr Lieblingsfutter dabei, es gibt eimerweise Möhren. Wir gehen ein gutes Stück zur Seite, denn der Zaun gibt uns bei so vielen kräftigen Tierkörpern kein totales Sicherheitsgefühl. Auch Richard ist bei der Jungbullengruppe achtsam. Die Tiere sind keineswegs aggressiv, aber sie sind Kraftpakete von bis zu 650 Kilo und haben Hörner. Zwei Jungbullen schnauben, der Nacken gebeugt, die Stirnplatten drücken gegeneinander, die Muskeln zucken – hier muss die Rangordnung geklärt werden! Sie schieben sich mal in die eine mal in die andere Richtung. In solchen Momenten vergessen sie ihr Umfeld und da kann auch der Zaun kurz platt gemacht werden.

Wir fahren zur nächsten Wiese. Dort wird der Zuchtbulle Malcom und seine Damen mit Möhren verwöhnt. Richard geht mit einer Drahtbürste „bewaffnet“ auf den Bullen zu. Malcom streckt den Hals und dreht sich leicht, damit Richard ihn ausgiebig bürsten kann. Ein begehrtes Privileg. Die anderen sind erst dran, wenn der Chef genug hat! Auf der gegenüber liegenden Wiese brüllen sich zwei Jungbullen leidenschaftlich die Seele aus dem Leib. Ihr hormongesteuertes Geprotze wird von Malcom nicht im Geringsten beachtet!
Ein Highlandrind ist vom Charakter her ruhig und gutmütig. So können wir ohne Bedenken mit auf die Weide gehen und ein Rind bürsten. Es bewegt vorsichtig seinen Kopf, trotzdem müssen wir aufpassen, dass wir nicht versehentlich gepikst werden, denn die Hörner sind am Ende recht spitz.
Malcom wurde wegen seines ruhigen Wesens und seinem Körperbau als Zuchtstier ausgewählt. Das Schönheitsideal für Hochlandrinder wird durch die richtigen Proportionen von Kopf, Nacken, Rücken, Füssen und Hörnern bestimmt. Auch die zotteligen Stirnhaare müssen sein.

Richards Begeisterung für das schottische Hochlandrind begann vor 14 Jahren. Eine ganz kleine Gruppe Zottl wollten sich vier Freunde als gemeinsames Hobby halten. Aber die Rinderhaltung ist mehr Arbeit als zunächst gedacht und so blieb am Ende nur Richard dabei. Obwohl man bei mittlerweile 80 Tieren nicht mehr von Hobby sprechen kann. Ohne die Unterstützung und die gleiche Begeisterung der Familie wäre es nicht zu schaffen, denn Richard ist im sonstigen Leben Ingenieur.
Die Tiere sind in Herden auf verschiedenen Wiesen verteilt, werden täglich kontrolliert und gezählt. So ein Rind findet jedes Loch im Zaun und erkundet dann die Gegend. Dann muss die Familie los um sie wieder zurückzutreiben, egal welches Wetter und egal ob man gerade beim Weihnachtsbraten sitzt.
Richard hat ehemalige Weideflächen vom Land gekauft, die im Naturschutzgebiet liegen und durch die Haltung der Hochlandrinder wieder renaturiert werden. Inzwischen hat sich die Flora schon verändert und bieten das benötigte Umfeld, damit sich Kiebitz und Brachvogel wohlfühlen.
Im Naturschutzgebiet stehen die Hochlandrinder im Sommer und müssen dann auch nicht groß zugefüttert werden. Im Winter sind die Tiere auf Weiden nah an einem Bauernhof, wo auch der Vorrat der Lieblings-Leckerlis, ein Riesenberg Möhren, lagert.
Im Februar waren viele Kühe trächtig und bei unserem nächsten Besuch im April laufen viele hübsche kleine Kälber zwischen den ruhigen Muttertieren rum. Eine erfahrene Kuh soll an diesem Tag mit mehreren Einjährigen für die Sommerzeit auf eine Naturschutzwiese umgesiedelt werden. Zusammen mit Tochter Anne und dem Sohn vom Hof, der auch mit einer eigenen Highlandherde liebäugelt, müssen die Auserwählten aus der Gruppe geholt, in ein Gatter und von dort auf den Anhänger gebracht werden. Nicht so einfach! Wie es Richards Art entspricht, völlig ruhig, ohne jeglichen Druck und mit viel Geduld passiert dies. Durch den ruhigen und entspannten Umgang mit den Tieren, haben sie auch deren Vertrauen. Manch ein Rind muss aber doch mit Möhren überlistet und in die richtige Richtung gebracht werden.
Anne kennt jedes Tier mit Namen und die Tiere kennen genau die Fahrzeuge. Als Richard mit seinem Traktor in die Strasse einbiegt gehen sofort alle Köpfe in seine Richtung. Vor der Fahrt haben die Rinder keine Angst und sind kurze Zeit später in ihrem neuen Wiesenreich. Das war ein Ganztagsjob!




Highlandrinder kratzen sich gerne, aber die eigenen Hörner kommen nicht an alle Stellen, da helfen dann Äste oder Bürsten.






Hochlandrinder sind robust, langlebig und leben das ganze Jahr über im Freien. Sie wurden von schottischen Bauern so gezüchtet, dass sie an die kargen Lebensbedingungen und Wetterverhältnisse im Nordwesten Schottlands und den vorgelagerten Inseln angepasst sind. Durch die natürliche Lebensweise haben sie ein qualitativ sehr hochwertiges Fleisch, das fein marmoriert und cholesterinarm ist. Fleischereien, die Wert auf ausgewählte Fleischsorten legen, bieten häufig auch Produkte vom Hochlandrind an.
Richard Löttert ist Mitglied im Verband deutscher Highland Cattle Züchter und Halter, er ist bio-zertifiziert und Direktvermarkter für das Fleisch seiner Rinder.

VOM TIERGARTEN – Richard Löttert
Schwester Clematia Str. 9
46342 Velen
Kontakt: Richard@loettert.de