Der Bienenbeschwörer

Der Bienenbeschwörer Hüseyin Vuran

Eine Biene ist ein kleines Insekt, das manche Leute in Panik versetzt. Denn so eine Biene ist ausgerüstet mit einem Stachel, der einem ziemlich weh tun könnte. Auch wir sehen unserer Verabredung mit Hüseyin Vuran mit Vorfreude und der Sorge, ob wir das Treffen ohne einen Bienenstich überstehen werden, entgegen. Hüseyin strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Er lächelt und hält uns eine Biene zwischen den Fingern entgegen. Ob ich die mal nehmen möchte. Ungläubig schau ich zurück, wie jetzt einfach so eine Biene festhalten? Keine Angst beruhigt er, das ist ein Drohn, der hat keinen Stachel. Na dann! So ein kleines Tier will ich nicht zerdrücken und Schwups fliegt der Drohn davon. Beim zweiten Versuch, Hüseyin ist natürlich mit Biene Nr. 2 vorbereitet, halte ich das Insekt zwischen den Fingern und genauso wie eine Biene summt, kribbelt es zwischen den Fingern. Gar nicht schlimm die erste Kontaktaufnahme, da sind wir doch gleich zuversichtlicher. Hüseyin hat für uns Hüte als Schutz mitgebracht, damit sich die Bienen nicht in den Haaren verfangen können.

Am Bienenstock herrscht reger Flugverkehr und um uns summt es ordentlich. An- und Abflug ohne Pause, aber wir sind für die Bienen uninteressant. Hüseyin nimmt von einem Bienenstock den Deckel ab und verteilt Rauch über dem Stock, um die Tiere zu beruhigen. Der Rahmen, den er vorsichtig löst und herausnimmt ist voll behangen mit unzählige Bienen die herumkrabbeln. Er klopft leicht gegen den Rahmen und eine „Bienenwolke“ schwirrt davon.



Eine Biene kennt keine Pause. Auf den Waben wird ständig gearbeitet. Die Königin legt ohne Unterlass Eier in saubere Waben, die Arbeiterinnen verpflegen die Königin, die Larven und neu geschlüpfte Bienen. Sie putzen und reparieren oder bauen Waben und nach ca. zwei Wochen Innendienst im Stock folgen zwei Wochen Außendienst, mit Erkundungsflügen für Nahrungsquellen und Nektarsammeln. Die Aufgaben sind sehr vielfältig und das Leben im Bienenstock ist komplett durchorganisiert. Die Bienenwelt ist so komplex, dass uns klar ist, das macht man nicht mal eben. In seiner Kindheit in der Türkei hat Hüseyin seinem Großvater bei der Arbeit mit Bienen geholfen. Erst viele Jahre später hat er wieder Lust auf die Imkerei bekommen, hat dann zur Vorbereitung Imkerkurse besucht und seit elf Jahren besitzt er eigene Bienenvölker.

Die Bienenkönigin ist deutlich größer als die Arbeiterinnen und wird vom Imker markiert. Jedes Jahr hat eine bestimmte Farbe, woran der Imker dann das Alter der Königin erkennt. Sie können bis zu 5 Jahre alt werden, haben also ein deutlich längeres Leben als eine Arbeiterin mit nur ca. 4 Wochen. Der Imker möchte die Königinnen selber züchten und kontrolliert regelmäßig den Stock, ob das Volk eine Königin entstehen lässt. Dafür bauen die Arbeiterinnen andere größere Waben und die Larve bekommt andere Nahrung. Eine Königin bekommt den berühmten Gelée royale -ein angebliches Schönheitswundermittel- gefüttert, sehr eiweißreich damit sie unaufhörlich Eier legen kann. Aber dazu muss sie natürlich vorher erst begattet werden. Um sicher zu gehen, dass es Bienen der Rasse Carnica, die als besonders sanftmütig gelten, sind, die er züchtet, bringt Hüseyin seine unbegatteten Königinnen nach Juist. Eine Biene fliegt nicht so eine lange Strecke über das Wasser, also ist eine Vermischung mit einer anderen Rasse auf der Insel ausgeschlossen. Viele friesische Inseln haben sogenannte Belegstellen für Imker. Die männlichen Drohne haben übrigens keine andere Aufgabe, als die Begattung einer jungfräulichen Jungkönigin.


Die Bienen sammeln Nektar, Pollen und Honigtau und verwandeln ihre Nahrungsgrundlagen zur Haltbarmachung in Honig. Dabei entziehen sie Wasser, darum ist der Honig fester und in einem frischen Wabenrahmen der Vorrat noch sehr flüssig.

Hüseyin hat mehrere Stellen für seine Bienenvölker. Möglichst in der Nähe von einer Tracht wie zum Beispiel einem Rapsfeld oder einer Streuobstwiese, die den Bienen viel Nahrung liefert. Ende Juni kann er mit der Honiggewinnung beginnen. Einmal im Jahr bringt er Völker für 4 Wochen in die Pfalz, damit sie dort die Tracht von Edelkastanien sammeln, was einen herberen Honig liefert, den er noch aus der Türkei kennt.

Ein Bienenstock beherbergt ein Volk, das im Sommer aus bis zu 100.000 Bienen bestehen kann. Es sind mehrere Etagen und die untere Etage des Stocks ist für die Brut bestimmt, die oberen für die Vorratshaltung, also für den Honig. Dazwischen liegt ein Gitter durch das die Arbeiterinnen aber nicht die Königin passt.



Ein Imker muss sein Bienenvolk alle 7 bis 10 Tage kontrollieren. Er achtet darauf, dass das Volk nicht von Milben bedroht wird oder dass sie keine neue Königin bilden und dann als Teil des Volkes ausschwärmen und ein neues Volk bilden.
Eine Biene stirbt nicht in ihrem Stock – sie kehrt von ihrem letzten Flug nicht zurück.
Bienenvölker werden aktuell durch Umweltgifte, Pflanzenschutzmittel und Monokulturen bedroht. Es besteht die Angst, dass nicht mehr genügend Bienen für die Bestäubung von Obst und Gemüse da sind. Ihr Lebensraum ist bedroht und wir merken, dass ein kleines Tier für uns sehr sehr wichtig ist.

HONIG AUS EIGENER IMKEREI – Hüseyin Vuran
Diebecker Weg 13
44536 Lünen-Brambauer
Kontakt: 0157-731 280 41

Die Welt der Bienen wird verständlich erklärt unter: www.die-honigmacher.de