Das Mairübchen

Die Mairüben von Peter Bielefeld

Mairüben gehören zu unseren Lieblingsgemüsen und Mario Kalweit verarbeitet sie sehr gerne als Beilage im Restaurant. Für viele sind sie aber ein unbekanntes Gemüse, wie wir ebenfalls im Restaurant gemerkt haben. In den vergangenen Jahren haben wir sie leider schwer bekommen, und wenn auch nur für kurze Zeit, daher dachten wir die Saison der Mairübe ist kurz. Als Mario beim Heimatbesuch in Dingden mitbekommt, dass der Landwirt Peter Bielefeld Mairüben anbaut, ist klar, dass wir ihn besuchen müssen. Peter Bielefeld ist in Dingden und Umgebung für seine tolle Qualität beim Spargel bekannt und wir versorgen uns gerne in seinem Hofladen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Wir sind mittags verabredet. Die Arbeit auf dem Feld ist da schon längst erledigt und Peter Bielefeld ist bei seinen Erntehelfern, die das geerntete Gemüse für die Wiederverkäufer gewaschen und in Kisten abgepackt haben. Erdbeeren, Spargel, Möhren und ! Mairüben: knackig frisch und lecker sieht alles aus.


Wir gehen zu einem Feld in der Nähe, das zur Hälfte abgeerntet ist. Zwischen den Rüben wächst Unkraut, das beim Anbau nicht groß stört. Mairüben baut Peter Bielefeld seit drei Jahren an, denn auch er kannte sie vorher nicht. Auf einer Reise mit anderen Landwirten nach Israel hat er zum ersten Mal eine gesehen und probiert. Die hat ihm super geschmeckt und er war sofort entschlossen, welche anzupflanzen. Denn: Was ich selber nicht essen mag, das bau ich auch nicht an! Rosenkohl wird es darum bei ihm nie geben. Igitt.


Das abgeerntete Stück liegt noch voller Rüben. Die haben leider nicht die Größe, die der Handel verlangt. Eine Mairübe sollte zwischen 6 und 8 cm Durchmesser haben und wird dann zu dritt gebündelt. Die Natur wächst nun mal nicht nach vorgegebenen Normen. Sie bleiben dort liegen und werden untergepflügt. Wie schade, denn ansonsten ist nichts dran. Zum Beweis schnappt Peter Bielefeld eine Rübe und beißt rein. Das Tolle an der Mairübe ist, dass man alles von ihr essen kann, auch die Blätter und Stiele. Blätter, Stiele? Die haben wir bisher nicht beachtet und als Hühnerfutter weggegeben. Das müssen wir auch sofort testen und knabbern eine Rübe vom Boden an.

Wie die Rübe haben auch Blätter und Stiele eine feine Würze mit milder Schärfe. Die Rübe ist fest, aber nicht hart und schneeweiss. Wir sind begeistert vom Gedanken der kompletten Verwertung. Das sieht für die Hühner zukünftig schlecht aus. Die haben das Mairübengrün immer als Erstes wegepickt; hätte Mario vielleicht mal zu denken geben können.

Die Saison der Mairübe ist länger als der Name vermuten lässt. Im Mai, je nach Wetterverhältnissen, werden die ersten geerntet. Vom Aussäen bis zum Ernten dauert es meist 45 Tage. Die letzte Aussaat erfolgt im August, damit ist im September Saisonende für die Rübe.
Über die Felder werden Netze gespannt, um so die Schädlinge abzuhalten. Die Kohlfliege setzt Maden in die Rübe und die Raupen der Kohlmotte fressen Löcher in die Blätter. Die Felder für den Rübenanbau müssen jährlich wechseln, sonst ist die Gefahr für eine Pilzerkrankung, der Kohlhernie, groß und an den Wurzeln würden unschöne Knubbel entstehen.


Peter Bielefeld bepflanzt 1000 Quadratmeter mit Mairüben. Ein Discounter hatte letztes Jahr einen Vertrag für eine wöchentliche Liefermenge mit ihm ausgehandelt. Doch dann kam das Hochwasser der Issel und alle Felder waren überschwemmt. Er konnte nicht mehr liefern und wurde vom Auftraggeber fallengelassen. Dieses Jahr liefert er zwar wieder an Supermärkte und auch besagten Discounter, aber nur auf Nachfrage und lässt sich nicht mehr auf Verträge ein.
Wir sind froh eine Quelle für dieses leckere Gemüse zu haben und werden bis zum Ende der Saison den Mairübchen treu bleiben.

Wir gehen noch gemeinsam zu einem Möhrenfeld. Verschiedene Sorten wachsen nebeneinander. Das geübte Auge erkennt die Unterschiede am Grün; ich nicht. Die Sorte Mokum ist fein und dünn und wird mit dem Grün als Bundmöhre angeboten. Der Handel ist auch dabei knallhart und schickt eine Lieferung, bei der das Möhrengrün vereinzelt gelb ist, wieder zurück. Die feinen Snackmöhren können dann nur noch als sogenannte Waschmöhre in Beuteln verkauft werden. Wieder: wie schade. Um das Möhrengrün, das nun mal schnell welk wird, lange grün zu erhalten, muss auf dem Feld gespritzt werden. Tja, das wollen wir Verbraucher nicht, aber mit unserem Kaufverhalten lassen wir den Erzeugern oft keine Wahl. Wir müssen uns selber an die Nase fassen und nicht nur makellose Gemüse fordern. Krumm schmeckt nicht schlechter als gerade!



GEMÜSEHOF Peter Bielefeld
Zum Tollberg 27
46499 Hamminkeln
Kontakt: www.gemuesehof-bielefeld.de
Der Hofladen ist von April bis Mitte Juli täglich geöffnet

Unsere Rezeptvorschläge

Suppe von Mairübenblättern mit Kaviar-Wrap



Mairübensuppe mit Kalbsbries-Ravioli



Rosa Schweinefiletscheiben mit Mairübensalat



Scholle mit Holunderblütenkruste und Mairübe